MEINE ALLEINREISE 2025 - ZEHN TAGE ENTLANG DER FLÜSSE
- Caroline Bardtke
- 2. Aug.
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Reisen, die man nicht plant. Reisen, die einen einfach rufen. Im September 2025 war es wieder so weit: Ich brach alleine auf, mit meinem Fahrrad, zehn Tage Zeit, keine Route, kein Plan — nur ich, die Natur und das Vertrauen, dass der Weg mich führen würde.
Ich startete am Rhein, fuhr weiter zur Mosel und schließlich nahm ich noch die Lahn mit. Es war genau die Art von Reise, die ich liebe: frei, offen, ohne Erwartungen. Ich fand immer eine schlichte, gute Unterkunft, nie zu viel, nie zu wenig — genau richtig für das, was ich brauchte.
Die Mosel – zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Die Mosel war ein Geschenk. Ich war genau zum Zeitpunkt der Weinfeste dort, mitten in den Weinbergen, zwischen Menschen, die lachten, feierten, lebten. Und doch suchte ich immer wieder das Alleinsein — und fand es.
Ich beobachtete und hörte die Tiere, ließ meine Gedanken streifen, schwamm in der Mosel, saß am Ufer und schaute einfach nur. Ich hatte ein Buch dabei, aber ich las es nicht. Die Natur war mein Buch.
Ein besonderer Moment war die Begegnung mit Winzermeister Hans Simon in Zell‑Kaimt. Ein Ort, den ich jedem empfehlen würde — herzlich, bodenständig, echt. Es war einer dieser Momente, in denen man spürt: Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Trier – Kultur, Freundschaft, Gespräche
In Trier traf ich eine Freundin. Wir schenkten der Kultur Aufmerksamkeit, ließen uns treiben, fuhren gemeinsam auf dem Fluss, aßen gut und führten noch bessere Gespräche. Es war ein kurzer gemeinsamer Abschnitt — warm, nährend, leicht.
Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege wieder. Und ich spürte: Jetzt beginnt der nächste Teil meiner Reise.
Querfeldein – über den Hunsrück, ohne Navi
Spontan beschloss ich, von Trier aus nach Disibodenberg zu fahren, um die Klosterruine zu sehen. Ich hatte keinen Empfang, kein Navi — und ich wollte es auch nicht. Ich fuhr einfach los, „pi mal Daumen“, querfeldein.
Was ich nicht wusste: Ich würde quer über den Hunsrück fahren. Oder besser gesagt: schieben.
Fünf Stunden lang. Abwechselnd schieben, fahren, wieder schieben. Zum Schluss gab es nicht einmal mehr einen Weg. Ich war so erschöpft, dass ich weinte. Ich dachte:
Selbstfindungstrip? Was für ein Mist. Ich will mich nie wieder finden.
Es war einer dieser Momente, in denen man sich fragt, wie man auf solche Ideen kommt — und gleichzeitig weiß, dass genau solche Momente mich innerlich bewegen, wachsen lassen und neu ausrichten.
Erschöpfung, Tränen – und dann ein Wunder
Nach einer Pause schob ich das Rad weiter und sah ein Licht. Eine Reklame. Zivilisation. Gott sei Dank.
Ich hatte wieder Kraft. Ich fuhr weiter — und plötzlich stand da, ganz allein an der Straße, ein Hotel. Wellness. Ruhe. Waldgasthaus am Schwarzenbruch in Allenbach.
Erst der Schock: kein Bett frei. Dann wieder diese Herzlichkeit der Menschen: Sie gaben mir ein Zimmer, das eigentlich für eine Kellnerin vorgesehen war, die abgesagt hatte.
Ich war so dankbar. Wellness, gutes Essen, Schlaf — genau das, was ich brauchte.
Disibodenberg – Ankommen im Inneren
Am nächsten Morgen fuhr ich weiter, ein paar Stunden, bis ich in Disibodenberg ankam. Die Klosterruine war still, kraftvoll, klar. Ein Ort, der einen einlädt, nach innen zu gehen.
Ich hatte auf dieser Reise Zeit, zu mir zu kommen. Zeit, dem Alltag auszusteigen. Zeit, mich selbst zu hören. Zeit, zu spüren, was fließen darf — und was nicht mehr zu mir gehört.
Die letzten Tage – Fluss, Landschaft, Freiheit
Die weiteren Tage waren leicht, schön, fließend. Immer entlang eines Flusses, immer in Bewegung, immer im Kontakt mit mir selbst. Es ging mir bei dieser Reise ums Fließen — und genau das habe ich gefunden.
Ich habe wieder erfahren, wie wertvoll es ist, alleine zu reisen. Wie heilsam es ist, sich selbst zu begleiten. Wie befreiend es ist, nicht zu planen, sondern sich führen zu lassen. Wie tief man sich selbst begegnet, wenn man Raum hat.
Diese Reise war eine meiner schönsten. Eine Reise, die mich erinnert hat, wer ich bin — und wohin ich gehe.



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